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Weniger haben, mehr sein

Sri Lanka Tangalle Fishing

Während unserer Rundreise durch Sri Lanka habe ich sehr häufig festgestellt, dass Menschen, die teilweise am Existenzminimum leben, ein sehr sinnerfülltes und motiviertes Leben führen. Woran liegt es, dass sie so glücklich sind?

Wir Europäer streben danach, immer mehr zu besitzen. Ein modernes Auto, die teuerste Designer-Kleidung, eine tolle Wohnung und jährlich am besten mehrere Luxusurlaube – aber führen diese Materialien wirklich zu Zufriedenheit?

Viele Tamilen wissen nicht, wie sie am nächsten Tag Essen auf den Teller bekommen, aber trotzdem strahlen sie eine unglaubliche Lebensfreude und Gastfreundlichkeit aus. Dies belehrt mich, dass rein materieller Besitz nicht glücklich macht.

Die Armut beraubt den Menschen nur kurzfristig das Glück, aber sie sind auf längere Sicht gezwungen, ihren Fokus auf ihre Beziehungen mit Familie, Freunden und Götter zu legen, die ihrem Leben immer mehr Sinn geben. Vielleicht liegt es also an der inneren Einstellung, dem starken Zusammenhängigkeitsgefühl und der engen Familienbindung?

Nachstehend einige Erfahrungen, die wir auf unserer Rundreise machen durften:

1. Für mich -ein immer noch- unbegreifliches Erlebnis:

Wir verbrachten einige Nächte in einem Guesthouse bei Einheimischen zu Hause (was aus unserer Sicht wirklich spottgünstig war). Der Besitzer bestand darauf, uns seine “Heimat” zu zeigen. Er wollte absolut kein Geld von uns, obwohl er eine 5-köpfige Familie zu ernähren hatte. Er besaß ein kleines Boot, mit dem er uns die Mangrovenwälder zeigte. Er erzählte viel über die Landschaft und seine Familienverhältnisse und stellte uns auch einigen seiner Freunde vor.

Sri Lanka Mangroven Einheimische beim Fischen Sri Lanka Mangroven Bootfahrt Sri Lanka Einheimische Wir waren wahnsinnig dankbar, dass wir so viel von ihm erfahren durften und wollten ihm natürlich ein “Trinkgeld” zustecken, doch er weigerte sich, es anzunehmen. Warum?! Bis heute konnten wir uns das nicht erklären… War es ihm eine Freude uns glücklich zu machen und uns lächeln zu sehen? Als wir das Guesthouse verließen, hinterließen wir der Familie ein wenig Geld auf unserem Kopfkissen. Wir machten uns “schnell aus dem Staub”, sodass sie keine Chance mehr hatten, sich zu weigern das Geld anzunehmen.

2. Ein weiteres prägendes Erlebnis in Tangalle:

Eines Morgens war ich alleine schon ganz früh am Strand unterwegs. Gedankenverloren lief ich im Sand und genoss den Ausblick auf das weite Meer. Schon von Weitem erblickte ich eine große Ansammlung von Menschen (überwiegend Männer, scheinbar mit ihren Söhnen), die im Kreis standen.

Sri Lanka Tangalle Beach Palmen Sri Lanka Tangalle Männer Fischen
Ich kam der Gruppe näher, da ich sehr interessiert war, was sie in den frühen Morgenstunden hier machen? Einige Meter entfernt blieb ich stehen, um sie zu beobachten. Plötzlich rief mich ein Mann, dass ich gerne näher kommen darf. Gesagt, getan. In der Mitte des Kreises lag ein großes Netz mit frisch gefangenen Fischen. Jeder Dorfbewohner durfte sich an der Beute bedienen. Alle hatten sie ihre Plastiktüte dabei, um ihr Mittag- bzw. Abendessen zu sichern. Sie erzählten mir, dass sie sich täglich um die gleiche Zeit treffen, um zu fischen und luden mich für den nächsten Tag ein. Das ließ ich mir natürlich nicht entgehen und war am nächsten Tag mit dabei.

Dieses Erlebnis war für mich sehr einprägend, da ich die Zusammengehörigkeit des Dorfes Tangalle wahnsinnig spürte. Jeder ist auf seine Familie, Freunde und seine Nachbarn bedacht. Obwohl die Tamilen wussten, dass ich ein “Touri” bin, in einem Bungolow nächtige und mit einem Frühstück versorgt bin, boten sie mir ihre Fische an. Ich war sehr gerührt von der Gastfreundlichkeit und dem überaus netten Verhalten der Einheimischen!

Sri Lanka Tangelle Fishing1 Sri Lanka Tangalle Fishing2

3. Unvergesslich in Ella

Wer eine Reise nach Sri Lanka plant, sollte definitiv mit dem Zug von Kandy nach Ella fahren. Es ist ein absolutes Highlight unserer Reise gewesen. Sicherlich fragst du dich jetzt, warum eine Zugfahrt so besonders ist. Ich kann euch sagen, warum es für uns ein einschneidendes Erlebnis war. Die Strecke von Kandy nach Ella ist zwar nur 150 km lang, allerdings werden hierfür rund 6 – 8h benötigt, da der Zug gemütlich durch das zentrale Hochland tuckert. Saftig grüne Wälder, große Reisterrassen, Teeplantagen, Tempel und die unbeschreibliche Landschaft des Hochlandes machen diese Zugfahrt einzigartig. Aber nicht nur das: Du bemerkst, wie viele einheimische Kinder dich mit großen Augen anstarren und anlächeln und auch Erwachsene schauen dich neugierig an und versuchen vorsichtig ins Gespräch zu kommen.

Sri Lanka Zugfahrt Kandy nach Ella Sri Lanka Ella Reisterrassen

Ankunft in Ella: ein kleiner, beschaulicher Ort, der malerisch inmitten von Teeplantagen liegt. Wir schulterten unsere Rucksäcke und machten uns auf die Suche nach einer Unterkunft. Sofort stürzten sich die Tuk-Tuk-Fahrer auf uns, jedoch wollten wir zu Fuß gehen. Als wir ein Guesthouse gefunden hatten und unser Gepäck ablegten, machten wir uns sofort auf den Weg, um die Umgebung zu erkunden.

Sri Lanka Ella Einheimische

Wir liefen über Stock und Stein und genossen die fantastische, abwechslungsreife Landschaft. Ein überaus netter Tamile bot an, uns die Gegend zu zeigen. Wir freuten uns, denn was gibt es schöneres, als von einem Local herumgeführt zu werden? Zunächst fragten wir ihn (typisch deutsch), was er dafür verlangt. Er belächelte das und gab uns ein Zeichem ihm zu folgen… Er führte uns durch die Teeplantagen, zu traumhaften Wasserfällen bis hin zum World’s End (ein steiler Abhang, an dem es 1.650 Meter in die Tiefe geht).

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Vielleicht hätten wir all diese schönen Ecken ohne ihn nicht entdeckt. Auch hat er die Führung durch das Hochland mit vielen interessanten Geschichten über das Leben in Sri Lanka bereichert. Mehrere Stunden waren wir gemeinsam unterwegs. Irgendwann blieb er stehen, erklärte uns den Weg zurück und verabschiedete sich. Natürlich drückten wir ihm noch Geld in die Hand, das er zunächst nicht annehmen wollte. Dennoch bestanden wir darauf, bis er es überaus dankend annahm und ging…

Die absolut positiven Erfahrungen mit den Einheimischen machten unsere Sri Lanka Reise zu etwas ganz Besonderem. Wir freuen uns, dass wir so vielen freundlichen, hilfsbereiten Menschen, die immer ein Lächeln für uns übrig hatten, begegnet sind und werden dies so in Erinnerung behalten. Glücklichen und lächelnden Einheimischen zu begegnen hat einen unmittelbaren Dominoeffekt.

Jeder von uns sollte sich hin und wieder an die eigene Nase fassen, ob wirklich der Materialismus ausschlaggebend ist im Leben. Macht ein neues Auto wirklich glücklicher? Meiner Meinung nach führt nicht der Wohlstand zum Glück. Es sind eher die Begegnungen mit Menschen, die wir kennenlernen und die Beziehungen, die wir zu ihnen aufbauen.

Eines meiner absoluten Lieblingszitate von Pearl Sydenstricker Buck lautet:

Viele Menschen versäumen das kleine Glück, 
während sie auf das Große vergebens warten.

 

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