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Wanderung zum Lang Biang in Da Lat

Das erste was mir auffällt als ich in Da Lat aus dem Bus steige, ist ein kühles Lüftchen. Die kleine wunderschöne Bergstadt liegt ca. 1.500 Meter über dem Meer und dadurch herrscht ein kühleres aber sehr angenehmes Klima. Ohhhh wie sehr ich die Bergluft liebe!

Gleich am nächsten Morgen machte ich mich auf die Socken, denn ich wollte den höchsten Berg von Da Lat bezwingen.

Etwa 12 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt ist der Berg Lang Biang im Lac Duong District zu finden. Die Fahrt mit dem Stadtbus kostet einfach 12.000 Dong (entspricht etwa 45 ct.) und dauert eine gute halbe Stunde. Die Busse haben keine Nummern, daher einfach auf die Schilder am Bus achten. Direkt vor dem Eingang wird gestoppt, sodass man sofort losmarschieren kann.

Es ist nichts Neues und ich muss es sicherlich nicht genauer erläutern warum, aber ich wählte wie immer einen anderen Weg als alle anderen. Während jeder zum Kassenhäuschen lief und brav sein Ticket kaufte, nahm ich einen kleinen Weg direkt am Eingang auf der rechten Seite. Ich habe den Tipp von einem Local bekommen, daher wusste ich, dass diese Variante besteht. Der Weg führte mich vorbei an Feldern, Farmern und durch einen schönen Pinienwald.

Es war nichts ausgeschildert und es gab auch keine Karte. Mehrmals lief ich einen Hang nach oben und vergeblich wieder nach unten, da es nicht weiterging. Ich stieg über Zäune oder krabbelte unten durch, doch ich fand keinen weiterführenden Weg. Die Farmer konnten kein Englisch, es war also absolut keine Kommunikation möglich. Irgendwann stand ich inmitten einer Kaffeeplantage und hörte Stimmen. Beim genaueren Hinhören bemerkte ich, dass ich sogar etwas verstehe. Zwei Australier waren ebenso wie ich auf der Suche nach dem Weg nach oben. Ich schließ mich ihnen an – ohhh wie dankbar ich bin, dass ich sie getroffen habe. Es dauerte noch eine gewisse Zeit bis wir den Weg entdeckten, aber irgendwann ging es weiter und weiter immer steil bergauf. Juhuu. Und ich war nicht mehr alleine. Über Stock und Stein ging es nach oben. Hin und wieder legten wir eine kleine Pause ein.

Je höher wir kamen, desto matschiger wurde der Weg. Teilweise war es sogar ein wenig gefährlich, da es überaus rutschig war. Den ganzen Weg über trafen wir nur zwei weitere Touristen. Es scheint wohl noch ein Geheimtipp zu sein. Gelegentlich hörten wir Jeeps, die zur Radarstation fuhren. Für diejenigen, die nicht laufen können/wollen, besteht nämlich die Möglichkeit, sich hochfahren zu lassen. Die Radarstation liegt allerdings etwas tiefer als die Spitze.

Die restlichen 500 Meter ging es über Stufen nach oben, die sich durch eine sattgrüne Dschungellandschaft schlängeln. Von allen Seiten tropfte es, aber es war eine angenehme Abkühlung. Die Schuhe waren sowieso schon tief im Matsch, deshalb nicht weiter schlimm. Juhuu wir sind angekommen – 2.169 Meter über dem Meeresspiegel.

Lange Zeit genossen wir den gigantischen Ausblick auf das Tal und die unberührte wunderschöne Natur. Spätestens jetzt war ich unsterblich in Vietnam verliebt!

Da Lat Lang Biang Aussicht Peak

Irgendwann machten wir uns wieder auf den Weg nach unten. Hin und zurück waren wir gute vier Stunden unterwegs. Bezahlt haben wir nichts – es befand sich auf dem gesamten Weg kein Kassenhäuschen. Wer der “normalen asphaltierten Straße” am Anfang folgt, bezahlt 10.000 Dong für den Eintritt plus 20.000 Dong, wer bis zur Spitze will. Auf dem Peak selbst waren wir nur zu dritt. Die meisten Touristen sind anscheinend mit dem Jeep zur Radarstation gefahren. Obwohl an der Spitze nichts los war, würde ich dennoch wieder dem kleinen Weg am Eingang rechts folgen, da dieser sehr abenteuerlich, abwechslungsreich und zugleich kostenfrei ist.

Im Vorfeld hatte ich gelesen, dass der Weg sehr anstrengend ist. Dies kann ich nicht unbedingt bestätigen. Die letzten 500 Meter durch den Dschungel ist es etwas heavy, aber mit “normaler Kondition” absolut machbar. Wobei ich gestehen muss, dass mich am nächsten Tag der Muskelkater plagte. Aber mit einer Creme aus der “snake farm”, die mir mein bester Freund in Da Lat, nämlich Hung, (mehr dazu im nächsten Beitrag) empfohlen hatte, bekam ich auch diesen schnell in den Griff. Am nächsten Tag betrachtete ich den Lang Biang nochmal aus weiter Ferne und Hung erklärte mir, dass der Berg unter den Locals auch “Lady Mountain” genannt wird – aufgrund der zwei Hügel, erklärte er mir und grinste bis über beide Ohren.

Ich bin absolut begeistert von dieser wunderschönen Natur. Seht euch nur diese vielen Gewächshäuser und die terrassierten Felder an. Täglich esse ich Unmengen an Erdbeeren und ich bekomme einfach nicht genug davon. Die Höhenlage (1.500 – 2.000 Meter) und die fruchtbare Lage macht Da Lat zu einem der besten landwirtschaftlichen Gebieten in Vietnam mit den verschiedensten Sorten von Gemüse, Obst, Kaffee, Tee und Blumen. Nun ist mir klar, warum auf dem Blumenmarkt in Saigon alles mit “made in Da Lat” gekennzeichnet war. Diese Region versorgt das komplette Land.

Eigentlich habe ich mich schon auf der Busfahrt von Mui Né nach Da Lat in diese unfassbar schöne Natur verliebt. Ich konnte nicht eine Minute die Augen schließen, da ich aus dem Staunen nicht herausgekommen bin. Als ich dann nach 5 h Fahrt ankam, war es schon um mich geschehen…

Ursprünglich hatte ich drei Nächte gebucht. Ich habe bereits um weitere vier Nächte verlängert. Wenn ich grob zusammenrechne bin ich mit der Mekong Delta Tour, dem Aufenthalt in Saigon und in Mui Né bereits bei 11 Tagen. Nun kommen acht Tage in Da Lat hinzu. Somit komme ich auf 19 Tage und ich befinde mich immer noch im Süden des Landes. Ich möchte ja bis in den hohen Norden reisen und habe mich deshalb bereits mit dem Thema Visaverlängerung auseinandergesetzt, denn eigentlich müsste ich das Land am 25.12. verlassen – unmöglich! Na wunderbar: ich bleibe schon im ersten Land, das ich alleine bereise, hängen. Wenn es mir bis jetzt nicht 100%-ig bewusst war, aber nun ist es klar wie Kloßbrühe: ich bin frei wie eine Feder im Wind. Erst jetzt kommt die Erkenntnis, dass es wohl die beste Entscheidung überhaupt war, meinen Job zu kündigen (so oft ich auch meine ehemaligen Kollegen und natürlich an den Chef denke), aber durch die uneingeschränkte Zeit kann ich viel tiefer in ein Land eintauchen und ich muss sagen, dass das Reisen dadurch noch reizvoller wird. Es ist nicht im Vorfeld schon alles durchgetaktet. Nicht zwei Tage hier, drei Tage da. Wo es mir gefällt, bleibe ich. Und zwar solange ich möchte.

Und seit ein paar Tagen ist das Gefühl nun endlich da, ich spüre die große Freiheit!

So lange habe ich daraufhin gearbeitet mir diesen Traum zu erfüllen. Ohne Verpflichtungen zu reisen. Dieser neue Lebensabschnitt, in dem ich jeden Tag so erleben kann, wie ich es möchte, macht mich unfassbar glücklich. Am liebsten möchte ich schon heute die Zeit anhalten, denn ich habe große Angst davor, dass es einfach zu schnell vorbeigeht.

Auf diesem Wege möchte ich mich auch bei meiner Familie, bei meinen Freunden und allen Bekannten bedanken, die mir in den letzten Monaten geholfen und beigestanden haben. Ohne euch hätte ich es nicht geschafft. Allen voran geht all meine Liebe und mein Dank an Conny ♥  – mein Fels in der Brandung. Danke an meine Eltern, Oma und Schwiegereltern in spe – ich weiß, dass ihr immer hinter mir steht. Danke an meine Schwester, die viele meiner Tränen trocknete und mir immer gut zuredete und an meinen Bruder, der mich hin und wieder in die Mangel genommen hat und mir dennoch auf liebevolle Art und Weise Beistand geleistet hat. Und last but not least: Danke an meine beste Freundin, die mich jeden Tag aufs Neue aufgebaut hat und immer für mich da ist. Ich liebe euch!

Ohne euch wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin und das wäre unfassbar schade, denn ich fühle mich so frei, wie man sich fühlen kann, wenn man alles, was man braucht, selbst tragen kann. Mir wurde erst so richtig auf dem Peak bewusst: der lange, steinige Weg in den letzten Monaten hat sich gelohnt und zahlt sich nun endlich aus!

 

Manchmal muss man einen gewagten Schritt gehen, um festzustellen,  dass hinter der Furcht die Freiheit wohnt.
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One comment

  1. Liebe Lisa,
    es ist so beeindruckend dir auf deinem Blog zu folgen und dabei zu sehen , wie unendlich glücklich du dabei bist! Lass es dir weiter so gut gehen!#

    Eine ganz große Umarmung
    von Martina

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