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Ninh Binh und die trockene Halong Bucht

Mit dem Nachtbus ging es weiter von Phong Nha nach Ninh Binh. Das Timing ist etwas ungünstig, denn die Fahrt endet morgens um 04:00 Uhr. Der Bus stoppte das erste Mal in Tam Coc und ein zweites Mal direkt in Ninh Binh. Ich war die einzige, die in Ninh Binh ausstieg. So stand ich erst einmal auf dem Gehsteig und wusste nicht, wo ich hin muss. Gut, dass auf den Straßen rund um die Uhr etwas los ist, sodass man sich schnell und einfach mit Hilfe der Locals orientieren kann.

Etwa 10 Kilometer von Ninh Binh City entfernt befindet sich das wunderschöne Quoc Khanh Bamboo Homestay, das ich absolut empfehlen kann!! Mit dem Taxi kann man sich für 100.000 Dong bringen lassen. Ninh Binh an sich ist sowieso eher unspektakulär, deshalb ist es überhaupt nicht tragisch, wenn man etwas außerhalb ist. Abgesehen davon ist das Bamboo Homestay ein perfekter Ausgangspunkt, um die fantastische Umgebung zu erkunden, wie z. B. die “trockene Halong Bucht” Tam Coc oder den Tempel Bich Dong. Besonders schön fand ich, dass das Homestay direkt an einem kleinen See liegt und man somit schon beim Frühstück herrliche Aussichten genießen kann. Das Ambiente aus Bambus fand ich super schön! Und was mich mal wieder mitten ins Herz traf, war der Besitzer des Homestays. Bei meiner Anreise, die ja mitten in der Nacht stattfand, befürchtete ich schon, dass ich niemanden antreffen werde und einige Stunden warten müsse, bis das Personal erwacht, um Frühstück für die Gäste vorzubereiten. Aber es kam anders! Der Besitzer hing in seiner Hängematte, schlief tief und fest mit seiner Daunenjacke und zugedeckt bis zur Nasenspitze. Vorsichtig versuchte ihn zu wecken, aber er reagierte erst nach mehrmaliger Ansprache. Wie süß! Sofort fühlte ich mich pudelwohl. Auch wenn er nur wenig Englisch konnte, die paar Worte, die er sagte und allein die Tatsache, dass er in der Hängematte auf mich wartete, machten ihn schon überaus sympathisch. Er brachte mich in mein Zimmer, zuvor rollte er seine Hängematte zusammen und anschließend ging er auch in sein Bett.

Am nächsten Morgen erkundigte ich mich nach einem Rad. Diesmal wurde mir die Strecke auch empfohlen *smile. Ich machte mich auf den Weg zu den Trang An Grotten. Eine 3-stündige Bootsfahrt vorbei an Kalksteinfelsen und durch mehrere Höhlen. Immer wieder muss man auch aufgrund der niedrigen Decke den Kopf einziehen. Jeder Name der Höhle wie Hang Si, Hang Sinh, Hang Ba Giot, Hang Quy Hau… wird mit einer Legende verbunden. Wunderbar, dass ich nicht mit Touris auf dem Boot gelandet bin, sondern mit einem Ehepaar aus Hanoi, die einen Tagesausflug unternahmen. Sie konnten mir einiges über die Legenden erzählen uuuund sie hatten jede Menge Proviant dabei. Eine wunderbare Bootsfahrt auf dem glatten Fluss, zwischen blühenden Seerosen. Das ist noch nicht alles. Während der Bootstour werden Zwischenstopps in historische Stätten eingelegt, beispielsweise am Trinh-Temple am Eingang des Höhle Dia Linh oder am Tra-Temple im Inneren des Waldes.

Wunderschön sind sie, die hohen und schroffen Kalksteinfelsen, welche die Landschaft prägen. Sie ähneln den Felsen der bekannten Halong Bucht, deswegen wird die Region auch “trockene Halong Bucht” genannt. Die Felsen ragen hier allerdings nicht aus dem Meer, sondern stehen in Reisfeldern am Fluss.

Nach der Bootsfahrt erkundete ich die kleinen umliegenden Dörfer. Den nächsten Stopp legte ich nicht weit von Tam Coc am Ma Yen ein, ein Berg auf den eine Treppe mit über 500 Stufen hinauf führt. Von dort oben hat man eine großartige Aussicht über Tam Coc, den Fluss mit den kleinen Ruderbooten und die Kalksteinfelsen. Leider war der Himmel von einer Wolkendecke bedeckt, aber es ist ja schließlich auch Winter in Nordvietnam. Bei einer Temperatur von 21° C ist der Winter verkraftbar!

Entlang der Reisfelder ging es weiter Richtung Bich Dong. Ich war nun schon ziemlich lange mit meinem Rad unterwegs und hatte ein wenig Bammel, ob ich den Weg zurück finden werde. An diesem Tag war ich mit einem Typ aus Polen unterwegs, der derzeit in Taiwan studiert. Wir hatten uns verquatscht und fuhren als darauf weiter. Naja, viele Wege führen nach Rom, irgendwie werde ich schon zurückkommen. In Bich Dong liegt eine Reihe Pagoden aus dem 17. Jahrhundert und Höhlen an einem Berg. Über Stufen gelang man zum ersten Teil der Pagode. Links neben der Pagode ist ein kleiner Spalt an der Felswand, über diesen schmalen Pfad gelangt man in die Höhle hinter der Pagode und weiter durch den Berg zu den höher gelegenen Heiligtümern mit der Aussichtsterrasse. Vom oberen Tempel hat man eine tolle Aussicht über die Landschaft.

Ich kann mir vorstellen, wie toll die Natur hier im Sommer aussehen muss. Allein deshalb muss ich noch einmal (oder mehrmals) nach Vietnam zurückkehren. Die Tam Coc Höhlen sind definitiv ein MUST-SEE, da sie inmitten einer atemberaubenden Natur liegen. Wie schön es ist, die Stille in den verschlafenen Dörfern und die Reisbauern zu beobachten. Eine wunderbare Gegend! Wieder ein Fleckchen Vietnam, das mich mehr als faszinierte.

Hin und wieder schreibe ich ja nun, mit wem ich unterwegs gewesen bin. Dies rührt daher, da mich viele fragen, ob man als Alleinreisende nicht einsam ist. Die Antwort lautet definitiv: nein! Täglich treffe ich Menschen aus aller Welt. Manchmal ergibt es sich, dass man ein bis zwei Tage zusammenreist, andere Begegnungen sind eher flüchtig. Allein bin ich eigentlich nie – es sei denn, ich möchte es gerade so. Kaum checkt man ins Hostel ein, hat man jede Menge Leute um sich herum. Ich kenne einige, die sich nicht trauen alleine loszuziehen und ich frage mich immer wieder: warum? Es ist eine wunderbare Erfahrung und ich kann es jedem nur ans Herz legen. Klar, das Soloreisen verlangt dir eine ganze Menge ab, aber es gibt dir auch unheimlich viel zurück! 

Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Vietnamesen “Mitleid” mit mir haben. Ich habe schon Früchte auf dem Markt geschenkt bekommen oder durfte kostenlos die ein oder andere Pagode besichtigen. Vielleicht sind das ja die Vorteile, die man als Alleinreisende genießt? Vermutlich wäre mir auch nicht die Situation mit dem jungen Vietnamesen in Phong Nha widerfahren, wenn ich nicht alleine und hilflos am Rad mit meiner Karte hantiert hätte? Wer weiß… Im Vorfeld habe ich bei einer Bloggerin gelesen, dass Vietnam untauglich ist für alleinreisende Frauen. Ich behaupte das Gegenteil. Seit mehr als vier Wochen bin ich in diesem Land unterwegs und ich hatte nicht eine einzige Situation, in der ich mich unwohl gefühlt habe. Im Gegenteil, ich treffe nur auf überaus nette Menschen und freue mich täglich aufs Neue über diese Gastfreundlichkeit. Ich habe den Eindruck, dass meine Reiselust von Tag zu Tag größer wird. Wenn man erst einmal den Absprung in die weite Welt geschafft hat und beginnt sie zu erkunden, möchte man am liebsten alles sehen. Unfassbar wie viele tolle Flecken es gibt.

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