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Nicht von dieser Welt: Phong Nha

Eines der schönsten Highlights meiner Vietnam-Reise

… erlebte ich in der Mitte Vietnams im Phong Nha-Ke Bang Nationalpark. Dieser Ort ist bekannt für seine Höhlen – mehr dazu gleich.

Spät abends erreichte ich mein Hostel. Wer auf der Suche nach etwas Nature/Outdoor ist, sollte sich für das Nguyen Shack entscheiden. Eine Dusche mit richtig heißem Wasser (das muss man hier schon mal betonen, denn das ist nicht überall geboten). Auch das Essen ist super lecker und besonders toll sind die Zimmer mit der urigen Holzeinrichtung und der sehr gut riechenden und dicken Bettwäsche. Jaa, ich freue mich über die Kleinigkeiten im Leben. Gerade auf Reisen schätzt man eine warme Dusche und ein sauberes Bett sehr! Die dicke Bettwäsche ist aber auch absolut notwendig, da es ist in der Nacht ganz schön kühl werden kann. Nachdem ringsherum alles offen ist, kann man sich die Bettdecke durchaus bis zur Nasenspitze ziehen. Für “Empfindliche” ist das Hostel allerdings nicht geeignet. Hin und wieder laufen/kriechen/krabbeln ein paar Tierchen über die Balken. Mir macht das ja eher weniger aus, bin ja schließlich eingemummt in meine Decke und das Moskitonetz gibt mir Schutz.

Darüber hinaus bietet das Hostel einen kostenlosen Fahrradverleih. Am nächsten Morgen schnappte ich mir also ein Rad. Die Besitzer des Hostels schauten mich mit großen Augen an, wo ich denn hin möchte. Na, zur Paradise Cave und in den Botanical Garden. Die erste Reaktion “nonononono”. Fünf Vietnamesen versuchten mich davon abzubringen, da der Weg zu steil ist. Der sture Stier ging mit mir durch und ich radelte los. Mehrmals wurde ich in kleinen Dörfern angesprochen, wo ich denn mit dem Rad hin möchte. So langsam wurde es mir doch etwas mulmig, aber ich radelte weiter bis ich schließlich im wunderschönen Nationalpark ankam. Ich genoss die grenzenlose Freiheit und Ruhe. Irgendwann wurde der Weg tatsächlich steiler und steiler. Oh Mist! Immer mehr Schlaglöcher und mein Fahrrad, das keine Gangschaltung besaß, zickte wie ein bockiges Kind. Ich schwitzte, weil es überaus anstrengend war, doch irgendwann sah ich ein Schild, dass es “nur noch” sieben Kilometer bis zum Botanical Garden sind. Innerlich verfluchte ich meine Sturheit, hätte ich nur auf die Vietnamesen gehört. Ich strampelte und strampelte bis ich ihn irgendwann doch erreicht habe – fragt nicht wie erschöpft ich bis dahin schon war!

Am Eingang des Botanical Garden traf ich ein Pärchen aus Neuseeland. Wir entschieden uns für den 2,5 Kilometer langen Rundgang. Die Neuseeländer sind natürlich Outdoor und Trekking mehr als gewohnt. Ich war immer noch platt von meiner Radtour und die beiden waren überaus sportlich, aber aufgeben kommt sowieso nie in Frage. Wir schwingen uns an der Liane durch den Regenwald, kraxelten über den Wasserfall und genossen die tolle Natur. Der Botanical Garden in Phong Nha ist einfach nur wunderschön!

Der Rundgang war dennoch nicht ohne und ich wusste ja, was mir noch bevorsteht. Als ich zurück an meinem Rad war und mit der Karte hantierte, kam ein junger Vietnamese und fragte, wie ich den Botanical Garden fand. Wir redeten und als ich ihm erzählte, dass ich nun zur Paradise Cave radeln werde, hat er einen Lachanfall bekommen. Okay, nun machte ich mir ernsthaft Gedanken. Anscheinend sind die 12 Kilometer wohl wirklich nicht machbar mit dem Rad. Der Vietnamese holte sein Motorbike und gab mir ein Zeichen, dass ich aufspringen soll. Ich zögerte, und zwar lange, aber dann ließ ich mich dennoch überreden. Er fuhr mich zur Cave und ich muss sagen: Danke und nochmals danke, denn ich hätte den Weg mit diesem Rad tatsächlich nicht geschafft. Mit einem Mountainbike wäre es sicherlich machbar gewesen, aber nicht mit meinem alten Schleifer. Am Eingang setzte er mich ab und sagte, dass er max. 2,5 Stunden auf mich warten wird.

Nach einer mühsamen Strecke aufwärts, erreichte ich schließlich den Eingang. Schon beim ersten Schritt in die Höhle, haute es mich aus den Socken. Gut, dass man auf Reisen anonym ist, denn ich glaube, dass ich nur mit offenem Mund durch diese Höhle gegangen bin, da ich aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen bin. Niemals zuvor habe ich eine so tolle Höhle gesehen (obwohl ich in Neuseeland auch schon einige besichtigte, aber diese hier übertraf sie alle – sorry!). Nicht nur die Größe ist bemerkenswert, sondern auch die ganzen Formen und Dimensionen der unterschiedlichen Stalagmiten und Stalaktiten. An einigen Stellen ist sie sicherlich bis zu 100 Meter hoch, einen Kilometer lang und sehr schön ausgeleuchtet. Mit 31 Kilometern zählt sie als längste trockene Höhle Asiens, wobei eben nur ein Kilometer davon zugänglich ist. Eine Art Holzsteg führt hindurch und für mich waren es wirklich 2-stündige Momente mit purem WOW-Effekt. Bis ich in dieser Höhle war, dachte ich, dass es so schön nur im Himmel ist.

Überaus glücklich ging ich zurück zum Parkplatz und siehe da: mein kleiner Vietnamese saß noch da und winkte schon aus weiter Entfernung. Ich schwang mich auf sein Motorbike und wir machten uns auf den Rückweg. An einer Kreuzung fragte er mich, ob er mir noch etwas zeigen darf. Na klar! Wir steuerten die Eight Lady Cave an, wo er mir zeigte, wie er betet. Er erklärte mir, dass hier während des Vietnamkriegs durch die amerikanische Bombardierung acht Menschen verschüttet wurden, jedoch hatte die Höhle den Namen schon vorher, da sie Platz für acht Frauen bot.

Als wir zurück im Botanical Garden waren, wünschte er mir eine schöne Weiterreise und war blitzschnell verschwunden, denn er muss weiterarbeiten. Ich lief ihm hinterher, denn ich wollte mich schließlich noch bedanken. Seiner Familie gehört das Restaurant am Botanical Garden und ich beobachtete wie er mit einer Schnelligkeit die Teller abräumte und Bestellungen aufnahm. Ich winkte ihm immer wieder zu, aber er lächelte nur und gab mir ein Zeichen, dass von seiner Seite aus alles okay ist. Irgendwann ging ich schnurstracks auf ihn zu und drückte ihm einen Geldschein in die Hand. Er lehnte es ab und wurde sauer. Wir reichten den Schein mehrmals hin und her, aber er wollte es einfach nicht annehmen. Ist es nicht unvorstellbar? Mindestens vier Stunden seiner Zeit hatte er geopfert und ich darf mich nicht einmal revanchieren? Am Ende hatte er 100.000 Dong angenommen und ich kam mir lächerlich vor, denn das entspricht nicht einmal 4 € (!). So einfach ließ ich ihn nicht davonkommen. Habe mich also hingesetzt, etwas zu Essen bestellt und ein großes Trinkgeld hinterlassen. Schnell aufs Rad und weg war ich. Ich hoffe, er freut sich darüber! Denn schließlich hat er mir auch eine unendlich große Freude bereitet. Nach wie vor ist es für mich unbegreiflich, was er für mich getan hat. Innerlich fragte ich mich “Wer würde das in meinem Heimatland für mich tun?!” Alleine im letzten Jahr hatte ich zwei Radpannen und schob mein Fahrrad über mehrere Kilometer nach Hause. Es hat niemand angehalten, um zu fragen, ob ich Hilfe brauche. Dies ist der kleine aber feine Unterschied… und dies ist auch einer von mindestens 100 Gründen, warum ich sooo gerne reise: Immer wieder überwältigt mich die Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft fremder Menschen. Man hat den Eindruck, dass sie auch ihr letztes Hemd für einen geben würden.

Was für ein perfekter Tag. Nicht nur aufgrund der Höhle war Phong Nha für mich ein Highlight meiner Vietnam-Reise, sondern auch aufgrund des jungen Vietnamesen. Menschen, wie er, lassen mein Herz höher schlagen, deshalb auch der Beitragstitel: nicht von dieser Welt! Die Paradise Cave war für mich wie der Himmel auf Erden und die Großzügigkeit des jungen Vietnamesen verschlägt mir noch immer die Sprache. Seine Antwort als ich fragte, warum er das für mich getan hat:

Do good things and good things will come your way.

Zurück im Hostel wurde ich erst einmal belächelt (nach dem Motto: “wir haben es dir gleich gesagt”). Nachdem ich ihnen aber Bilder von der Paradise Cave zeigte, waren sie sprachlos. Ehrlich wie ich bin, habe ich ihnen aber erzählt, dass ich es nicht mit dem Rad geschafft habe. Ich bin dennoch froh, dass ich morgens mit dem Fahrrad gestartet bin. Zum Botanical Garden habe ich es ja immerhin geschafft und abgesehen davon wäre mir vielleicht nicht die wunderbare Begegnung mit dem Vietnamesen widerfahren. Innerlich fragte ich mich, wie viele Highlights mich in Vietnam noch erwarten? Ich bin sowieso schon hin und weg was dieses Land angeht. Jeder Tag ist ein weiteres Erlebnis und täglich verliebe ich mich noch etwas mehr…

Nach diesem Tag war für mich eine der wichtigsten Erkenntnisse: Sagen mir fünf Vietnamesen, dass ich die Strecke nicht mit dem Rad zurücklegen kann, kann ich radeln. Sagen es allerdings zehn Vietnamesen, sollte ich meine Sturheit ablegen und auf sie hören 🙂

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