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Im Nachtzug von Bangkok nach Chiang Mai

Nachtzug von Bangkok nach Chiang Mai

Es ist sicherlich nicht die schnellste Variante, um von A nach B zu kommen, aber immerhin ein absolutes Erlebnis.

Wir sicherten uns das Zugticket bereits im Vorfeld über die absolut seriöse Buchungsseite 12go.asia. Aufgrund des weltbekannten Laternenfest “Loy Krathong” bzw. “Yi Peng” konnte man zusehen, wie die Schlafplätze immer weniger wurden. Da wir dieses Ereignis definitiv nicht versäumen wollten, ergatterten wir also vorab das Fahrticket. In der Regel ist dies nicht erforderlich, denn die Tickets können ganz einfach bis drei Tage vor Abfahrt reserviert werden.

Eins vorweg: Die Züge in Thailand besitzen insgesamt drei Klassen, die sich natürlich beim Komfort unterscheiden. Dritte-Klasse sowie einige Zweite-Klasse-Züge bieten keine Klimaanlage, sondern nur Ventilatoren im Zug. Allerdings bietet die 3. Klasse den Vorteil, dass du das Fenster ganz öffnen kannst und tolle Bilder entlang der Strecke knipsen kannst.

Neben den Tageszügen gibt es auch Nachtzüge mit Schlafwagen in der ersten oder zweiten Klasse. Wer sich für den Zweite-Klasse-Zug entscheidet, wird keine Abgrenzung zwischen den einzelnen Betten finden. Es handelt sich hierbei um zweistöckige Betten. Tipp: Ich würde mir schon beim Buchen das Bett unten sichern. Es kann dir nämlich oben passieren, dass direkt neben deinem Bett eine Lampe angebracht ist, die nachts nicht ausgeschaltet werden kann. Für Personen, die Privatsphäre bevorzugen, sind definitiv die Erste-Klasse-Waggon zu empfehlen, da es hier Zweier-Kabinen gibt. Ausschlaggebend für den Preis ist auch, ob man sich für Klimaanlage oder Ventilator entscheidet.

Wir wollten ein wenig Abenteuer und tuckerten also mit dem Nachtzug von Bangkok nach Chiang Mai mit dem Sparversion-Zug: 2. Klasse Ventilator – juhuuu! Mehr dazu gleich …

Nachtzug von Bangkok nach Chiang Mai_1

Die einfachste Möglichkeit von der Khaosan Road zur Station Hua Lamphong (hier starten generell die Fernzüge in den Norden) zu gelangen, ist ein Taxi. Mit rund 100 Baht bist du hier im Rennen – wer sparen möchte nimmt den Bus 53, der um die 10 Baht kostet.

Sobald du also in der Haupthalle am Bahnhof in Bangkok angekommen bist, findest du den offiziellen Ticketschalter, wo du dir dein Ticket ergattern kannst. Wie oben erwähnt, hatten wir unser Ticket bereits vorab gebucht und mussten daher nur noch unsere hinterlegten Fahrkarten abholen. Wichtig: Es ist zwingend erforderlich die Fahrkarten abzuholen! Wer nur die Buchungsbestätigung vorzeigt, wird nicht einsteigen dürfen! Über die Webseite von 12go.asia.kannst du dich über die genauen Abholorte bzw. Öffnungszeiten für die Tickets informieren.

Wie ist es also im Schlafwagen der 2. Klasse mit Ventilator?

Es ist definitiv ein Abenteuer der besonderen Klasse! Sobald man sich in seine Schlafkabine eingenistet hat, kommen Kontrolleure, um die Tickets zu prüfen sowie Angestellte der Bahn, die die Bestellung für das Frühstück aufnahmen. Wir bestellten uns “Fresh Fruits” für den nächsten Morgen.

Wir starteten pünktlich um 22:00 Uhr. Ich kroch also in meinen Schlafsack und wir tuckerten los. Keine 10 Minuten später habe ich den ersten Kampf mit einer Kakerlake aufgenommen. Juhu geschafft! Blick nach rechts und schon wieder eine Kakerlake. Na toll, wenn das so weitergeht… Die erste Stunde war ich also schon mal gut beschäftigt. Irgendwann erschien meine Schlafkabine clean und ich steckte mir die Ohropax rein und zog meine Schlafmaske drüber. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich die halbe Nacht wach lag. Die Qualität der Bahnschienen lässt sehr zu wünschen übrig. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass man sich irgendwann an das Ruckeln und den Geräuschpegel gewöhnt. Leider war dem nicht so. Nach etlichen Stunden lag ich immer noch wach. Hinzu kam auch noch, dass mein Fenster defekt war. Es ließ sich nicht ganz schließen. Dadurch war es also noch lauter und ich hatte jede Menge Schmutz auf meinem Bett. Augen zu und durch – ich zog mir den Schlafsack bis über beide Ohren. Anscheinend bin ich nach langer Zeit doch endlich eingeschlafen. Morgens um 08:00 Uhr stand plötzlich ein Mann neben mir und brüllte “BREAKFAAAAST”. Halleluja – ging das nicht ein wenig leiser? Ich schaute ihn verdutzt an, während er nochmal “BREAKFAAAAST” rief. Okay, okay, ich richtete mich also auf und was bekam ich? 10 Bananen. Ich schaute ihn wieder fraglich an. Natürlich könnte ich 10 Bananen essen, das war nicht der Punkt. Er wusste nicht, dass er es mit Hau rein zu tun hat. Können ist das eine, aber wollen ist das andere. Möchte ich morgens um 08:00 Uhr (nach einer schlaflosen Nacht) 10 Bananen verdrücken? Nein. Außerdem hatte ich mir unter “Fresh Fruits” etwas anderes vorgestellt… Pancakes mit Ahornsirup wären mir definitiv lieber gewesen! Naja wie dem auch sei. Ich legte die Bananen zur Seite, drehte mich um und versuchte noch eine Runde zu schlafen. 45 Minuten später musste ich zur Toilette. Das nächste Highlight. Ich ging also den Gang entlang, vorbei an allen anderen Betten, bis ich den Zugabteil mit den “Toiletten” vorfand. Toilette ist definitiv übertrieben. Hier findet man lediglich ein Stehklo – sprich ein Loch – und alles läuft unten zum Zug hinaus. Na bravo! Klopapier gibt es im Übrigen auch nicht, deshalb unbedingt dabei haben! Thema beendet!

Zurück in meiner Schlafnische (es war ja auch mittlerweile hell) schaute ich Stunden über Stunden aus dem Fenster. Eine sattgründe und atemberaubende Landschaft ließ mich auf andere Gedanken kommen.

Bangkok nach Chiang Mai Nachtzug Bangkok nach Chiang Mai Nachtzug_2

Immer wieder schaute ich auch auf meine Bananen, aber ich wollte sie nicht anrühren. Wir tuckerten vorbei an verschlafenen Dörfern. Kaum zu glauben, dass hier tatsächlich Menschen leben. Ich beobachtete wie Frauen in dreckigen Tümpeln ihre Kleidung wuschen oder wie Männer auf dem Feld harte Arbeit verrichteten. Weitere Stunden vergingen und dann veränderte sich mein Blickwinkel. Ich rege mich innerlich über Kakerlaken, ein defektes Fenster, ein Stehklo und 10 Bananen auf? Wie soll es Menschen ergehen, die tagtäglich zusehen müssen, wie sie an Essen kommen und ihre Kleidung in dreckigen Gewässern waschen müssen? Vermutlich wären sie froh, wenn sie 10 Bananen hätten. Ich schnappte mir also nach langem Hin und Her doch zwei davon und aß sie. Endlich hatte ich was im Magen.

Manchmal hilft es, seine Denkweise zu ändern. 

Am dritten Tag meiner Reise führte ich mir also schon vor Augen, wie gut es mir eigentlich geht. Jahrelang habe ich gespart, um mir meinen Lebenstraum zu erfüllen. Ich wollte reisen und die Kulturen anderer Länder kennenlernen. Und siehe da: ich bin unterwegs und erfülle mir meinen Traum. Vielleicht wünscht sich das ja auch ein Thai? Ich möchte damit sagen, dass man selbst nie vergessen darf, wie gut es einem eigentlich geht. Auf der Zugreise wurde mir klar und deutlich vor Augen geführt, dass ich überhaupt keinen Grund zu nörgeln habe. Somit konnte ich also doch die letzten Stunden der Zugfahrt absolut genießen.

Innerlich zufrieden kamen wir nach 14 Stunden und 10 Minuten am Bahnhof in Chiang Mai an. Kaum zu glauben, dass wir in dieser Zeit gerade mal 700 Kilometer zurücklegten.

Nach meiner gewonnenen Einsicht, behaupte ich felsenfest, dass ich die Nachtzugfahrt jederzeit wiederholen würde! Auch wenn man kaum schläft, es ist ein Erlebnis. Außerdem kommt man über Nacht von A nach B und spart sich somit auch eine Übernachtung.

Als Conny wach wurde, stellte sich heraus, dass er kein Frühstück abbekommen hat. Um ein letztes Mal auf die Bananen zurückzukommen: 5 davon gehörten ihm 🙂

HAPPY END

Zusammenfassung: was du unbedingt für die Zugfahrt brauchst (abgesehen vom Ticket):

  • Geduld
  • Ohropax
  • Klopapier
  • Schlafmaske
  • ggf. Schlafsack
  • PS: leg deine Eitelkeit ab!
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4 comments

  1. Eine sehr interessante Skizzierung der Zugverhältnisse in Thailand! Ohrstöpsel (Tipp: Wellnoise) sind bei derartigen Reisen sehr empfehlenswert 🙂

    1. Hi Mike,
      Danke schön! Und vielen Dank auch für den Tipp, werde ich bei der nächsten Zugreise gerne testen – Feedback folgt 🙂

  2. hi Lisa
    wirklich interessant was Du so schreibst und sehr nett wie Du es schreibst,
    kann mir das so richtig vorstellen.
    Gruß aus der “Polenklinik”Angela

    1. Hi Angela,
      freut mich, dass du Freude hast beim Lesen. Wir sind mitten drin in meiner „kleinen perfekten Welt“. Reisen ist das, was mich glücklich macht! Denke oft an euch😘

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