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Der Norden von Laos

Die wenigsten Reisenden, die ich im Süden des Landes kennenlernte, sind bis in den Norden gereist. Was für ein Fehler! Gerade der Norden ist geprägt von wunderschönen Landschaften. Ein Trekking-Paradies schlechthin. Darüber hinaus bekommt man hier die besten Einblicke in das Dorfleben.

Nong Khiaw

ist ein sehr guter Ausgangspunkt, um das nördliche Laos zu sehen und erleben. Ein kleines, aber zauberhaftes Dorf, das direkt am Nam Ou Fluss liegt. Ob wandern, Radfahren, Höhlen besichtigen, mit dem Kajak im Fluss paddeln, Klettern, Relaxen in der Hängematte oder gut essen – alles ist möglich. Verschiedenste Landschaftsbilder von Reisfeldern bis zu dichtem Dschungel, vom Wasser im Tal bis hoch zum Berg mit toller Aussicht. Ich war sehr fasziniert von diesem kleinen Ort und musste mich nach mehreren Tagen regelrecht zwingen weiterzuziehen. Hier kann man wirklich die Seele baumeln lassen und alles um sich herum vergessen.

Mit einem Boot fahren wir den Nam Ou hinauf. Grüne Berghänge und hindurch steiler Felsformationen. Der Fluss schlängelt sich durch Postkartenmotive, Büffel baden im Wasser und nirgends eine Menschenseele. Was für eine herrlich angenehme Stille. Nach etwa einer Stunde erreichten wir Muang Ngoi – ebenso ein wunderschönes kleines Dorf. Überall laufen Hühner und Enten umher, Kühe liegen in der Sonne und Schweine grunzen um die Wette. Autos oder Motorräder habe ich nicht gesehen. Natürlich will man sich hier nicht die Aussicht von oben entgehen lassen. Ab auf den Viewpoint! Leider hatte es die letzten Tage nur geregnet und alles war matschig. Nach 40 Minuten Gerutsche über Baumstämme, Stufen und Pfade waren wir oben angekommen. Der Himmel hing noch voller Wolken, aber dennoch genossen wir die tolle Aussicht. Ich möchte niemandem den Spaß nehmen, aber seid gewarnt: Blutegel werden leider nicht ausbleiben.

Zurück auf das Boot, denn wir wollen schließlich noch den Wasserfall erkunden. Nach einer kurzen Fahrt waren wir schon angekommen. Eine 45-minütige Wanderung durch tolle Reisfelder bis wir uns schließlich im eiskalten aber klaren Becken des Wasserfalls abkühlen konnten. Von hier aus paddelten wir mit dem Kajak zurück nach Nong Khiaw. Zwei Stunden später – nachdem uns beinahe die Arme abgefallen wären – sind wir endlich angekommen. Was für ein wundervoller Tag in dieser schönen Landschaft.

Wie oben erwähnt, eignet sich Nong Khiaw auch, um ein Motorbike zu mieten und die Umgebung zu erkunden. Serpentinen schlängeln sich nach oben, vorbei an kleinen Dörfern. Immer wieder kommen kleine Kinder gerannt, um High-Five zu geben. Sie winken und lachen. In manchen Dörfern haben wir gestoppt und sind umhergelaufen. Das sind für mich sehr zwiegespaltene Momente. Auf der einen Seite freue ich mich über die lachenden Kinder, die einem hinterherrennen und die fotografiert werden möchten. Die Erwachsenen sind meist sehr zurückhaltend. Im Allgemeinen habe ich oft den Eindruck, dass Laoten sehr verschlossen sind. Sobald man sie aber anspricht, lächeln sie. Kommunikation in den Dörfern ist meist überhaupt nicht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

möglich. Auf der anderen Seite sehe ich die große Armut, verletzte Kinder oder Erwachsene sowie Häuser oder Schulen, die aussehen als würden sie den nächsten Regensturm nicht überstehen. Es ist unvorstellbar in welchen Bambushütten die Menschen hier leben, aber dennoch erscheinen sie mir zufrieden. Vermutlich weil sie kein anderes Leben kennen. Die Kinder spielen im Matsch und ringsherum laufen Hühner, Enten, Hunde, Kühe, Schweine, etc. Mittlerweile habe ich sehr viele arme Dörfer gesehen und ich muss ehrlich gestehen, dass es mich sehr nachdenklich macht. Viele Bilder gehen mir nicht mehr aus dem Kopf. Es sind immer wieder Anblicke dabei, die mir den Atem stocken lassen. Was für die Laoten so normal ist, ist für uns Europäer eine andere Welt.

… ebenso der Dschungel …

Oh meine lieben Leser, ich habe die wohl drei aufregendsten, erlebnisreichsten, abenteuerlichsten und vermutlich auch schlimmsten Tage meiner bisherigen Reise hinter mir. Trekking liebe ich – ihr wisst es. Trekking im Dschungel ist … anders! Was auch immer mich geritten hat, aber ich wollte es erleben. Mit einer Kanadierin und einem laotischen Tour-Guide stürzte ich mich in den Dschungel in der Gegend von Luang Namtha im Nam Ha Nationalpark. Der gebirgige Nam Ha Nationalpark erstreckt sich auf einer Fläche von 222.000 Hektar bis an die Grenze Chinas.

Bereits am ersten Tag legten wir eine Strecke von 18 km zurück, was ja an sich keine große Sache, wenn da nur nicht der strömende Regen gewesen wäre. Mehr als drei Stunden liefen wir durch den größten Matsch, wobei von laufen nicht die Rede sein kann, es war mehr ein Gerutsche. Bei jedem zweiten Schritt verlor einer von uns das Gleichgewicht und landete auf dem Po. Dazu war es bitterkalt (10° C) und ich hatte keine trockene Stelle mehr an meinem Körper. Die Schuhe waren durchnässt, die Füße kalt, alles feucht, alles nass, alles klamm. Es war alles andere als ein Spaß. Wir waren heilfroh als es endlich aufhörte zu regnen, aber dennoch war alles überflutet und matschig. So stapften wir also weitere Stunden über Baumstämme, durch den River, entlang schmalster Pfade mit hohem Abgrund. Die Schwierigkeit besteht aber auch darin, dass man sich nicht überall festhalten kann. Hier giftige Pilze, dort stachlige Pflanzen, hier ein Baum voller Spinnen oder anderen Insekten, etc. Fix und fertig kamen wir nach 6,5 Stunden in einem Akha-Village an. Ein relativ großes Dorf mit 500 Einwohnern. Die Akha sind eines der zahlreichen Bergvölker Südostasiens. Sie kamen aus der Grenzgegend von Birma und Yunnan nach Südostasien, wo sie heute in Nordthailand, Laos und Vietnam siedeln. Niemals zuvor in meinem Leben habe ich ein solches Schlammbad gesehen. Nochmals zwei Kilometer zog sich ein Hügel durch das matschige Dorf. Die Schweine tappten neben uns her und bei ihnen sah es so überaus einfach aus. Wir gingen einen Schritt nach oben und rutschten zwei zurück. Die Schuhe waren sowieso schon voller Schlamm, die Hose bis obenhin verschmutzt – es spielte alles keine Rolle mehr. Als wir endlich ankamen wurden wir von einer Familie herzlich begrüßt und es gab das wohl beste Dinner, das ich im Rahmen meiner Reise durch Laos genießen durfte. Der einzige Lichtblick im Tunnel. Für einen Moment war alles wieder gut. Wenn da nur nicht diese Kälte gewesen wäre. Nur mit Lagerfeuer haben wir den Abend überstanden. In der Nacht deckte ich mich mit vier Decken zu und ich habe immer noch gefroren. Es war schlimm – aber es kam noch schlimmer.

Am zweiten Tag trekkten wir wieder etliche Stunden durch den matschigen Dschungel. Nachdem es nicht regnete und sogar zeitweise ein wenig die Sonne spitzte, hatten wir sogar Spaß. Wir waren gut drauf, genossen die sattgrüne Dschungellandschaft und immer wieder klärte uns der Tour-Guide über alle möglichen Pflanzen, Bäume, Pilze, Tiere, etc. auf. Ich finde das ja wahnsinnig spannend, was es alles zu sehen und entdecken gibt, z. B. welche Blätter für welche Krankheit benutzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

werden. Einige Blätter haben wir auch probiert und gesammelt. Alles essbare, das wir während unserer Trekking-Tour gefunden haben, haben wir mitgenommen, denn daraus haben wir uns ein Abendessen gezaubert. Irgendwann liefen wir an einem “Häuschen” vorbei und der Guide sagte, dass das unser Camp für die heutige Nacht sei. Hahaha guter Witz – wir glaubten ihm nicht. Leider war es tatsächlich unser Schlafplatz für die Nacht.

Deswegen oben: es kam noch schlimmer! Obwohl wir eine leckere Suppe aus Pilzen und Blättern hatten, sogar einen Tee (ebenso aus Blättern), bis tief in die Nacht am Feuer saßen, vor Erschöpfung kaum noch die Augen offen halten konnten, schlief ich vermutlich nicht eine Minute. Es war zu kalt. Keine Matratze, ein dünner Schlafsack und mehr gab es nicht. Was für eine Höllennacht und das nach Trekkingtag Nummer 2. Wir wussten schließlich auch, dass uns am dritten Tag nochmal 6h bevorstehen. Ich trug zwei Hosen, vier T-Shirts, zwei Jacken, zwei Paar gestrickte Socken von der besten Oma der Welt (danke, denn ohne sie hätte ich vermutlich keine zehn Zehen mehr) und dennoch habe ich gefroren. Ein Tiefschlaf war unmöglich. Ich habe mich ernsthaft in dieser Nacht gefragt: “was tust du dir hier an?! Du gönnst dir eine Auszeit und anstatt faul am Strand zu liegen, liegst du in einem Dschungel-Camp in einer bitterkalten Nacht!” Gegen 04:30 Uhr ist der Guide aufgestanden, um Feuer zu schüren. Wow! Ich bewundere Menschen wie ihn. Er kann tatsächlich im Dschungel überleben. Er weiß ganz genau, was man essen kann und was nicht. Faszinierend wie er mit seiner Machete umgeht. Auf Bananenblättern wurde unser Lunch und Dinner serviert. Das Essen war mitunter das Highlight der Trekking-Tour. Am ersten Tag (bevor wir mit dem Trekking begannen) waren wir noch auf einem Local Markt und haben das Wichtigste eingekauft. Alles andere haben wir im Dschungel gefunden.

Die “Speisekarte” entsprach allerdings nicht immer unbedingt meinen Vorlieben. Unser Guide lief barfuß den River auf und ab, um noch weitere Leckereien für uns zu fangen. Zurück kam er mit einigen Krebsen und Fröschen. Darüber hinaus hatten wir noch gegrillte Ratte oder Schwalbe zur Auswahl. Der Krebs war super lecker, alles andere habe ich ausgelassen. Mir haben die Geräusche gereicht als die Frösche gekillt wurden… Oh mein Gott! Ich bin in dieser Hinsicht einfach zu sehr Mädchen.

Der dritte Trekkingtag war herrlich! Einige Stunden schlängelten wir noch durch den Dschungel, aber sobald wir draußen waren, wurden wir von der Sonne begrüßt und es hatte angenehme 25° C. Alle klammen Kleidungsstücke rissen wir uns vom Leib und tankten erst einmal eine ordentliche Portion Vitamin-D. Nach dieser eiskalten Nacht und den nonstop nassen und kalten Füßen, was für ein magischer Moment. Ich habe mich keinen Meter mehr bewegt. Vermutlich kennt jeder dieses Gefühl: man verflucht etwas so sehr, ist gereizt und stresst sich selbst und innerhalb einer Sekunde – sobald auch nur eine Kleinigkeit passiert (ein gutes Essen und/oder ein Sonnenstrahl) ist auf einmal alles halb so schlimm. Ach wie toll doch das Trekking im Dschungel ist! Nachdem ich gerade in meinem warmen Bett liege und eine heiße 45-minütige Dusche hinter mir habe, komme ich zu dem Entschluss, dass es wirklich fantastische Tage waren. Es war abenteuerlich und ich bin absolut an meine Grenzen gekommen, aber nichtsdestotrotz waren es beeindruckende Erfahrungen, die ich nicht missen möchte.

Am Ende der Tour haben wir auch erfahren, dass diese Trekking-Tour im gesamten Jahr 2017 lediglich von acht Mädels geschafft wurde. Na herzlichen Glückwunsch. Dann haben sie ja für 2018 schon zwei Kandidatinnen – und das bereits Mitte Januar. Wenn ich das alles vorher gewusst hätte…

… hätte ich es vermutlich nicht gemacht und das wäre im Nachhinein betrachtet auch schade. Just in diesem Moment fühle ich mich überaus gut und bin sogar ein bisschen stolz auf mich selbst, dass ich es geschafft habe. Es gab tatsächlich Situationen, in denen ich mich hinsetzte und nicht mehr weiterlaufen wollte. Keine Kraft mehr, keine Lust mehr auf Matsch. Das einzige was der Tour-Guide dazu sagte: “Wir laufen weiter. Außer ein paar Leoparden oder anderen Tieren wird hier niemand vorbeikommen, du hast die Wahl”. Na wunderbar! Was blieb mir also anderes übrig als immer brav hinterherzustapfen?

Erstmalig war ich auch richtig froh, dass der Tropenarzt mir so viele Impfungen “verpasst” hat. Schließlich möchte ich kerngesund zurückkehren! Im Dschungel geht es nicht so hygienisch zu. Es gibt weder Strom, noch Warmwasser. Was ich aber tatsächlich genoss, dass es kein WIFI gibt und keine anderen Touristen.

Eines ist sicher: ich würde wieder in den Dschungel gehen, auch mehrere Tage, aber NUR unter einer Bedingung: mein Tarzan Conny wärmt mich in der Nacht *smile.

In diesem Sinne:

A-weema-weh, a-weema-weh, a-weema-weh, a-weema-weh
In the jungle, the mighty jungle
The lion sleeps tonight
In the jungle the quiet jungle
The lion sleeps tonight

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