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Da Lat – City of flowers and romance

Da Lat, das “Paris Vietnams” hat es geschafft mich zu verzaubern. Dies liegt aber nicht nur an dieser kleinen schönen Stadt, sondern an der wunderbaren Familie, bei der ich für sieben Nächte lebte.

 

Darf ich vorstellen? Meine Pflegefamilie: Hung (Spitzname Scimitar) und seine reizende Frau Hong.

 

 

 

Ohne dass ich Werbung machen möchte – oder vielleicht insgeheim schon – wer einen Aufenthalt in Da Lat plant, sollte UNBEDINGT dieses Homestay bevorzugen: Scimitar Easyrider. Glaubt mir, ihr werdet es nicht bereuen. Zehn Reiseführer können euch nicht das Wissen vermitteln, was ihr in ein paar Tagen von Hung erfahren könnt. Dieser Mann hat mich fasziniert. Ich löcherte ihn mit gefühlten 5000 Fragen (täglich) und keine davon blieb unbeantwortet. Die Gespräche starteten beim Frühstück (was Hung sehr liebevoll und nach eigenen Wünschen zubereitet) und gingen bis in die späten Abendstunden. Kein Thema blieb unbehandelt. Von der Kriegszeit in Vietnam, über den Glauben, Traditionen, Familiensinn, Alltagsleben, Essen und Trinken, Festlichkeiten, Schwangerschaftsverhütung, Krankheiten, Gesundheits- sowie Schulsystem, Rente, usw. – die Liste ist endlos. Das Schöne daran ist außerdem, dass man die Informationen nicht nur theoretisch bekommt, sondern einfach mittendrin ist im Familienleben und somit im alltäglichen Geschehen. Hung stellte mich allen möglichen Leuten vor, am Abend kochten wir gemeinsam und ich fühlte mich einfach zugehörig. Hong ist Kindergärtnerin. Für ein paar Stunden habe ich sie begleitet.

Vietnam Da Lat Kindergarten

Ehrlich gesagt fühle ich mich gerade ein wenig überfordert. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll und wo ich aufhören soll. Die letzten Tage waren so informativ, eindrucksvoll und voller toller Momente. Oft frage ich mich, warum alle Vietnamesen/-innen mich immerzu anlächeln. Mir ist nun klar warum: seit Tage laufe ich mit einem Dauergrinsen durch die Gegend – es ist wie festgetackert. Ich bin hoffnungslos in dieses Land verliebt.

Aber nun kommen wir mal zu Da Lat und seinen Sehenswürdigkeiten. Wie oben erwähnt, wird Da Lat oft als das kleine „Paris“ der Vietnamesen bezeichnet. Viele Verliebte und gerade frisch getraute vietnamesische Pärchen verbringen hier jährlich ihre Flitterwochen. Ein kleiner See inmitten der Stadt mit Schwanenbooten, Blumengärten, Kutschen wie im Märchen, eine Art kleiner Eiffelturm und ringsherum die Berge, sorgen für ein wunderschönes Stadtbild. Dies ist der Grund, warum ich im letzten Artikel schrieb, dass es schon bei Ankunft um mich geschehen war. Über meine Wanderung zum Lang Biang habe ich ja bereits ausführlich berichtet. Am dritten und vierten Tag schwing ich mich auf das Motorbike von Hung und er zeigte mir mit einer Hingabe und Leidenschaft seine Heimat. Ich könnte ein Buch schreiben, über das, was er mir alles erzählt hat. Wir besichtigten Blumen-, Kaffee- und Seidenfarmen und die Linh-An-Pagoda (ca. 30 Kilometer von Da Lat entfernt – sehr sehenswert). Im Park dieser Tempelanlage befindet sich auch ‘Happy Buddha’. Findet ihr nicht auch, dass man automatisch lächelt, wenn man ihn anschaut? Darüber hinaus stoppten wir am Thien Vien Truc Lam (Meditation Center) und am Elephant Waterfall. Das Allerbeste ist, wenn man mit Scimitar on Tour ist, lernt man Gott und die Welt kennen. Er kennt jeden und er weiß alles. Wie gesagt, ich bin tiefbeeindruckt und muss es daher leider immer wieder betonen. Selbst beim Lunch oder Dinner mit ihm wurde ich nicht als “Touristin” angesehen, sondern bezahlte, wie er, die Localpreise. Hier eine kleine Fotogalerie für euch:

Ach ja, im Crazy House sind wir auch noch gewesen. Die Tochter (Hang Nga) des Nachfolgers von Ho-Chi-Minh, Trung Chinh (bis 1988) studierte in Moskau Architektur und verliebte sich in den surrealistischen Baustil und entwarf daher das verrückte Haus. Der Eintritt beträgt 40.000 VND. Ohne Scimitar hätte ich mich in diesen vielen verwinkelten Gassen des Geländes sicherlich verlaufen. Das kleine Mini-Hotel bietet schöne und fantasievolle Zimmer, z. B. Honeymoon or bear or tiger room… Keines ähnelt dem anderen, aber alle sind – zumindest für meinen Geldbeutel – unbezahlbar. Die meisten übernachten auch nicht in diesem außergewöhnlichen Hotel, sondern begutachten es lediglich tagsüber.

Es führt kein Weg daran vorbei. Auch wenn sich hier viele Touristen tummeln, sollte man der Linh Phuoc Pagoda einen Besuch abstatten.

Und nun wird es romantisch…

… ich wette, dass die Bilder des Flower Gardens jedes Frauenherzchen höher schlagen lassen. Ein wahres Farbenmeer aus hunderten verschiedenen Arten von Blumen und Düften. Stundenlang saß ich hier mit meinem tolino in der Hand …

Und es wird noch romantischer…

… oben hatte ich ja bereits erwähnt, dass Da Lat ein Ort für Flitterwochen der Vietnamesen ist. Mich erwartete hier das Event, das vor den Flitterwochen stattfinden muss, nämlich die Hochzeit. Es ist unglaublich und noch immer kann ich es selbst kaum fassen, aber Scimitar und Hong fragten mich, ob ich sie nicht zu der Hochzeit eines Neffen begleiten möchte. Oh mein Gott! Natürlich will ich das, aber ist es nicht völlig unangebracht?! Ich bin aus allen Wolken gefallen und hatte das Angebot natürlich erst einmal abgeschlagen, aber nachdem die beiden nicht mehr locker ließen, stimmte ich zu und freute mich unendlich auf diesen Tag. Wie aufregend – wann hat man schon einmal die Gelegenheit bei einer vietnamesischen Hochzeit dabei zu sein? Die Vorfreude wurde noch größer als ich mit Hong Kleider anprobierte und zwar aus ihrem Kleiderschrank. Als Backpackerin hat man natürlich kein schickimicki Kleid im Schlepptau. Mehr als zwei Stunden waren wir beschäftigt und hatten den größten Spaß. Hong spricht leider kein Englisch und Hung wurde aus dem Zimmer geworfen. Zuuu gerne wollte er dolmetschen, aber sie ließ es nicht zu. Wir kamen auch ohne ihn mit Händen und Füßen klar. Endlich hatten wir eines gefunden. Doch dann wurde mir gesagt, dass ich zwei Kleider bräuchte, denn das ist Tradition. Also ging es weiter mit der Anprobe. Es war ein Riesenspaß und ich könnte allein darüber schon einen Roman schreiben, aber ich fasse mich kurz. Kurzum, wir hatten zwei Kleider inkl. Schuhe (waren zwar eine Nummer zu klein, aber okay) gefunden und ich war startklar für eine vietnamesische Hochzeit. Khoi, der Sohn von Hong und Hung war mein Begleiter.

Es war für mich ein unglaublich spektakuläres Ereignis. Ich könnte alleine von diesem Event 30 Bilder hochladen, aber ich weiß nicht, ob es mir gestattet ist, deshalb lasse ich es lieber bleiben. Bereits morgens um 08:00 Uhr verließen wir das Haus. Mit zwei Motorbikes tuckerten wir zum Haus des Bräutigams. Dort war schon alles festlich dekoriert und überall sah ich runde lackierte Boxen – gefüllt mit diversen Geschenken. Scimitar erklärte mir, dass die Menge der Boxen eine ungerade Zahl sein muss. Die Geschenke sind Areca Nüsse, Betelblätter, Tee, Kuchen, Obst, Wein oder anderen Köstlichkeiten und Geld. Alle Geschenke sind mit rotem Papier oder Tuch bedeckt und werden von unverheirateten Mädchen oder Jungen getragen. Mir wurde auch eine Torte in die Hand gedrückt. Wir machten uns auf den Weg zu den festlich dekorierten Autos, denn es ging nun zu der Braut nach Hause. Hier war ebenso alles super schön dekoriert und die Zeremonie zu beobachten war einfach atemberaubend schön. Scimitar hatte mir einiges übersetzt, z. B. als um Erlaubnis gefragt wurde, die Braut zu heiraten und mit in das Haus zu nehmen. Es wurden Kerzen angezündet und vor dem Altar beteten sie. Auch Vorfahren werden um Erlaubnis für die Ehe und das Wohlsein der Familie gebeten. Anders als wir es kennen, übergeben die Gäste ihre Geschenke persönlich und vor allen anderen. Es geht reihum. Allen voran waren dies Umschläge mit Glückwunschkarten oder Geldgeschenke. Viele Angehörige schenkten aber auch einen goldenen Ring. Am Ende hatte die Braut sicherlich 15 Ringe an der Hand. Scimitar erklärte mir, dass dies Tradition sei, sodass das Brautpaar sich von dem Wert nun ein Haus kaufen kann bzw. zumindest eine Anzahlung leisten kann. Darüber hinaus wurden der Braut auch Halsketten angelegt oder Ohrringe angesteckt. Es folgte ein kleiner Umtrunk, bevor es zurück ins Heim des Bräutigams ging. Die Kolonne an weißen Autos mit roten Schleifen schlängelte sich wieder durch Da Lat. Im Haus wurde dann noch einmal gebetet und Kerzen angezündet. Kurz darauf zerrte mich Hong auf das Motorbike, denn wir Frauen mussten nach Hause, um das Kleid zu wechseln. Kaum waren wir daheim: Kleid aus, neues Kleid an und schnell auf den Hocker, weil mir noch Locken verpasst wurden. Wie süß!

Der zweite Part der Hochzeit fand im “Wedding Center” statt. Als wir dort ankamen, waren die meisten Gäste schon zu Tisch. Scimitar versicherte mir, dass ich unter 400 Gästen nicht auffallen würde. Aber es kam anders. Als ich den Raum betrat, hatte ich das Gefühl, dass ein Viertel der Gesellschaft mich anstarrte. Was hatte ich auch erwartet? Unter 400 Vietnamesen befindet sich eine Deutsche und die bin ich. Schnell zog mich Khoi zu unserem Tisch und er kicherte. Sobald wir dort saßen, habe ich mich keinen mm mehr bewegt, denn ich wollte so unauffällig wie möglich sein. Es war soooo faszinierend für mich. Noch tiefer kann man wohl nicht in eine Kultur eintauchen. Bei den Reden habe ich leider nichts verstanden, aber es war so schon beeindruckend genug. Ein bezauberndes Brautpaar, indoor fireworks, eine riesengroße Torte, eine Pyramide aus Gläsern, unglaublich schöne Kleider, ein wunderschöner dekorierter Saal mit weißen Stuhlhussen und roten Schleifen, eine große Leinwand mit Fotos vom Brautpaar und Essen der Extraklasse. Kaum drehte ich mich um und schaute zur Bühne, war mein Teller schon wieder gefüllt. Alle 10 Minuten wurde der nächste Gang serviert. Unglaublich lecker! Die wenigsten am Tisch konnten Englisch. Khoi half mir dabei, dennoch so viel wie möglich zu verstehen. Was ich wirklich verwunderlich finde: Wenn ich Gespräche von Vietnamesen erlebe, sind mühelos immer zwei Silben mit hoher Frequenz herauszuhören: Viet Nam. Kaum vorstellbar, wie oft ich es höre. Der Stolz, Vietnamese zu sein, ist deutlich hörbar. So oft werde ich auch nach meiner Meinung zu Vietnam befragt. Die Locals sind offen und bereit über all meine Eindrücke zu sprechen. Das Brautpaar ging zu jedem Tisch und mit den dortigen Gästen auf ihr Wohl zu trinken. Als sie an unserem Tisch ankamen, schauten sie mich an, lächelten und zeigten mir das Peace-Zeichen.

Nach zwei Stunden im Wedding Center war alles vorbei. Die komplette Hochzeit an sich dauerte also von morgens ca. 09:00 – 14:00 Uhr. Mit dem Motorbike ging es zurück nach Hause. Genau so, wie ich hier sitze, sind wir durch die Stadt gefahren – mit den Muffins in der Hand *smile

 

 

Natürlich habe ich auch von unseren Traditionen erzählt, z. B. dass wir die Hochzeitnächte barfuß durchtanzen und auch (ein wenig Alkohol *hust*) zu uns nehmen. Scimitar versicherte mir, dass er – wie die allermeisten Vietnamesen – nicht tanzen kann und nach einem Glas Bier schon rote Wangen bekommt und geringe Mengen reichen, um schrecklich betrunken zu sein. Es ist so interessant zu sehen und zu erleben, wie es in anderen Kulturen abläuft. Beispielsweise ist auch rot die Farbe bei einer traditionellen vietnamesischen Hochzeit – es gilt als Farbe des Glücks und soll zu einer rosigen Zukunft führen. Beim ersten Part hatte die Braut ein wunderschönes rotes Kleid an. Beim zweiten Part ein langes weiß und kurz darauf ein rosafarbenes. Ich könnte noch ewig weiterschreiben, aber ich mache hier Schluss.

Fazit: 

Diese wundervolle Familie hat mir unvergessliche Tage in Vietnam bereitet und ich wage mich schon heute zu behaupten: egal, was mich auf meiner Weiterreise in den Norden dieses Landes noch erwarten wird, die Tage in Da Lat waren für mich schon das absolute Highlight! Es war für mich unglaublich interessant zu erleben, wie der Alltag in einer vietnamesischen Familie aussieht. Ich war sehr begeistert von dem Familienzusammenhalt, der gegenseitigen Verantwortung und Fürsorge. Scimitar erklärte mir, dass es als das größte Unglück in Vietnam gilt, keine Familie zu haben. Kein Vietnamese ist gerne alleine.

Was ich auch komplett anders erlebte, als ich es von zu Hause kenne: die Geschwindigkeit beim Essen. Wir verbrachten unglaublich viel Zeit für jedes Abendessen und mir kam es vor, als wäre das Essen eher eine Nebensache. Hin und wieder nimmt sich jeder einen Happen, aber überwiegend wird sich dem Gespräch gewidmet. Immer wieder werden die Stäbchen abgelegt, ein Schluck getrunken und es machte den Eindruck als wären sie nach einigen Bissen satt. Immer wieder legten sie mir die “besten Stückchen” in meine Schale. Ich kenne dahingegen unser Verhalten von zu Hause: wenn am Sonntag die Klöße auf den Tisch kommen, greift jeder schnell zu und es herrscht die größte Stille, denn jeder ist schwer beschäftigt.

Nach acht Tagen hieß es für mich Abschied zu nehmen. Ihr wisst, wie sehr ich das Reisen liebe. Es ist meine größte Leidenschaft. Ein ständiger Aufbruch und ein Ankommen. Jeden Tag lernt man neue und interessante Menschen kennen. Schade, dass manche Bekanntschaften immer nur flüchtig sind. Scimitar und seine Familie fehlen mir schon jetzt. Ich habe ihnen versprochen, dass ich irgendwann wiederkomme, dann mit Mann, Kindern und Kegel. Und dieses Versprechen halte ich auch ein.

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