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Border crossing Laos to Cambodia

4.000 Islands nach Siem Reap

Ohne jegliche Vorbuchung des Transportes machten wir uns auf den Weg. Der Morgen begann herrlich mit einer Longtailbootsfahrt über den Mekong. Unser Ausgangspunkt war Don Khon.

Bis nach Nakasang waren wir eine gute halbe Stunde unterwegs. Wenn jeder kleine Busch oder jeder kleine Baum als Insel gewertet wird, dann wurde mir spätestens jetzt klar, wie man auf 4.000 Inseln kommt. Das wunderschöne Panorama ließ den Tag für uns entspannt beginnen.

Angekommen in Nakasang orderten wir uns einen Tuk-Tuk-Fahrer, der uns bis zur Grenze brachte. Dies war eine Strecke von circa 19 Kilometer. Nicht vergessen zu feilschen – die Preise lassen sich immer noch ein wenig drücken. Zu Fuß ging es über die Grenze. Im Vorfeld hatten wir so viel über Korruption und Abzocke gelesen, dass wir fast ein wenig Bammel hatten. Nichtsdestotrotz gingen wir es an. Und was soll ich sagen? Es verlief alles easy-peasy. Wir mussten weder auf der laotischen Seite für den Ausreisestempel bezahlen, noch wurde ein Gesundheitscheck auf der kambodschanischen Seite durchgeführt und auch keine Stempelgebühr für das Visa wurde verlangt. Hatten wir einfach nur Glück? Ich weiß es nicht, aber definitiv können wir die Korruption nicht bestätigen. Wir zahlten tatsächlich nur die offiziellen 30 $ (p. P.) Visagebühren für die Einreise nach Kambodscha. Juhuu wieder ein Stempel, der eine ganze Seite im Reisepass ausfüllt.

Für uns begann das Chaos nach der Grenze

Direkt hinter der Grenze wurden wir “abgefangen”. Leider ist es wohl unmöglich allen Hürden aus dem Weg zu gehen. Hat man beim Grenzübergang Glück, wird es wohl danach chaotisch. Sie erklärten uns, dass es extrem kompliziert, nahezu unmöglich sei, die Fahrt nach Siem Reap selbst zu organisieren und wir sollten doch das Ticket für 20 $ p. P. kaufen, um ohne Probleme weiterzukommen. So kauften wir also die Tickets und mussten 2,5 h am Grenzübergang warten, bis der nächste Bus kam.

Es gibt schlimmeres als zu warten. Ich zog meinen tolino aus dem Rucksack und nutzte die Zeit, um zu lesen. Schlimmer war, dass mich bereits nach kurzer Zeit sieben Moskitos gestochen hatten. Die kambodschanischen Moskitos scheinen mich wohl zu mögen – grrr! Wie versprochen kam der Bus pünktlich um 12:00 Uhr. Da wir relativ spät einstiegen, gab es kaum noch freie Plätze. Der Stauraum für die Rucksäcke war bereits überfüllt, sodass wir sowohl unsere Backpacks als auch die Daypacks mit in den Bus nahmen. Endlich saßen wir – die großen Rucksäcke im Gang, die kleinen auf dem Schoß. Der Bus wurde immer voller und voller. Es konnte nicht sein. Viel zu viele Leute auf kleinstem Raum. Die Tickets wurden überprüft und wen hat es getroffen? Richtig: uns. Wir mussten aussteigen, da wir uns angeblich in einem falschen Bus befanden, obwohl wir von drei Herren zum Bus begleitet wurden. Okay, wir stiegen also wieder mit unseren vier Rucksäcken aus. Während wir außen standen, konnte uns aber auch nicht gesagt werden, wo und wann der nächste Bus fährt. Dann wurde unser Ticket erneut überprüft und dabei festgestellt, dass wir ja doch im richtigen Bus gewesen sind und wir sollten wieder einsteigen. Unsere Plätze waren natürlich zwischenzeitlich vergeben. Was ich jetzt schreibe, ist kein Witz! Uns wurden Plastikstühle in den Gang des Busses gestellt! Versucht euch das lieber nicht bildlich vorzustellen. Mein rosa Plastikstuhl wackelte nur so vor sich hin – ist ja nicht so, dass die Straßen hervorragend geteert wären. Wir wurden immer wieder beruhigt, dass es ja nur eine Stunde Fahrzeit ist, dann müssten wir sowieso umsteigen. Naja, wir nahmen es mit Humor.

Der Umstieg im Nimmerleinsland

Wie angekündigt stiegen wir tatsächlich nach einer Stunde aus. Wir zuerst, denn wir blockierten schließlich den Gang mit unseren Plastikstühlen. Daraufhin folgten etwa 50 Leute plus Gepäckstücke. Jeder wurde weiterverfrachtet in andere Busse, das reinste Gewusel und Geschreie. Wenn ihr euch gerade Chaos vorstellt, dann multipliziert das mit zehn. Schließlich sind wir in Südostasien. Noch etwa 25 Menschen (inkl. uns) standen da und wir sollten etwa 5 Minuten warten, bis der Bus nach Siem Reap kommt. Nach 15 Minuten kam kein Bus und wir fragten noch einmal nach. Erst dann ist aufgefallen, dass wir ja doch an einer falschen Bushaltestelle stehen. Ein Tuk-Tuk-Fahrer für 25 Leute wurde organisiert. Er fuhr mehrmals hin und her, bis alle an der richtigen Stelle waren. Alle Tickets wurden immer wieder überprüft und einige erhielten “neue Tickets” – irgendwelche gelb- oder rosafarbenen Zettel. Wir hatten immer noch unser handschriftliches Ticket “2 to Siem Reap” … Innerlich lachten wir uns schief über diese Organisation.

Es wurde mitgeteilt, dass der Bus Verspätung hat, aber bald kommen würde. Kennt man ja auch von der Deutschen Bahn, daher blieben wir tiefenentspannt. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich dies nicht als vergeudete Zeit sehe. Ich nutze Wartezeiten, um zu lesen oder um Musik zu hören. Wie oft hätte ich auch zu Hause gerne Zeit dafür. Sobald ich mich auf das Sofa lege, plagt mich das schlechte Gewissen, denn eigentlich müsste ich den Haushalt auf Vordermann bringen, einkaufen gehen, Büroarbeiten erledigen, spanische Vokabeln lernen oder oder oder… Hier allerdings bleibt mir nichts anderes übrig als zu warten, denn schließlich bin ich auf diesen Bus angewiesen. Conny wurde schon leicht gereizt und fragte immer wieder, wie ich nur so ruhig und gelassen bleiben kann. Während die Grundstimmung bei den meisten kippte, spielte ich mit den kambodschanischen Kindern Ball oder ließ mich mit Grashalmen in den Haaren frisieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwei Stunden später bekamen wir folgende Aussage “bus broken” … Okay, aber wie geht es weiter? Darauf keine Antwort. Viele gingen schon davon aus, dass kein Bus mehr kommen würde. Trotzdem warteten wir – wo sollten wir auch sonst hin? Die erste Gruppe (mit den gelb- und rosafarbenen Zetteln) wurde mittlerweile abgeholt. Wunder gibt es immer wieder. Nach 3,5 h Wartezeit kam tatsächlich auch unser Minivan. Ein Van, der eigentlich für neun Leute ausgelegt ist. Wir waren allerdings zu zwölft. Alle sollten rein plus die Gepäckstücke. Die Nerven lagen bei den meisten blank, wohl gemerkt hatten wir noch eine Fahrstrecke von ca. 300 Kilometer vor uns. Elf Leute waren im Van – wir waren eingequetscht und hatten dabei die Rucksäcke schon auf dem Schoß. Der zwölfte Mann, ein Amerikaner, passte bei aller Liebe nicht mehr in den Bus. Er sollte sich quer über vier von uns legen. Mit einem lauten “F*** YOU” hatte er das verneint. Oh je, die Stimmung scheint jetzt endgültig zu kippen. Der Fahrer bemerkte die angespannte Stimmung und öffnete den Kofferraum, um die Rucksäcke umzustapeln. Somit wurde eine kleine Ecke frei und der Amerikaner konnte im Kofferraum Platz nehmen. Unvorstellbar! Alle waren fassungslos. Nach 150 Kilometer legten wir eine Rast ein. Es tat gut sich die Beine zu vertreten. Die restlichen 2,5 h Busfahrt überstanden wir dann auch noch. Sicherlich fuhren wir an 30 Polizisten vorbei, kontrolliert hat uns niemand.

Ankunft in Siem Reap

Das Spiel kennen wir mittlerweile. Anstatt dass der Fahrer des Vans uns irgendwo in Downtown aussteigen lässt, wird man in eine dunkle Ecke gebracht, während die Tuk-Tuk-Fahrer schon bereitstehen. Die Busstationen scheinen wohl immer außerhalb zu liegen. Na gut, dann also mit dem Tuk-Tuk weiter in die Unterkunft.

Nach 14 Stunden waren wir endlich angekommen. Ist es nicht witzig, dass man in dieser Zeit gerade mal eine Strecke von circa 400 Kilometern zurücklegt?

Oh du chaotisches und verrücktes Südostasien – wir lieben dich trotzdem!

 

Wie man es besser machen kann? Ich kann leider keine Tipps geben, außer:

  • finde dich mit dem Chaos ab – ändern kannst du es sowieso nicht
  • bewahre die Geduld
  • UND das Wichtigste: Reise mit einem Menschen, mit dem die Chemie stimmt. Nach mehr als fünf Jahren sind Conny und ich ein eingespieltes Team. Uns schmeißt nichts so leicht aus der Bahn! Beim Grenzübergang von Thailand nach Laos musste er mich beruhigen, da ich Angst vor einer Entführung hatte. Beim Grenzübergang von Laos nach Kambodscha musste ich ihn beruhigen, da ich schwer befürchtet habe, dass es nicht mehr lange braucht, bis er jemandem an die Gurgel geht. Und das obwohl er einer der geduldigsten Menschen ist, die ich kenne.

Viel Erfolg für deinen Grenzübergang. Lass mich wissen, ob du ähnliche Erfahrungen gemacht hast. 

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