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5.000 Stufen in den Himmel – der gigantische Adam’s Peak

Sri Lanka Adams Peak von unten

Zu Beginn unserer Sri Lanka Rundreise war der Aufstieg des Adam’s Peak nicht geplant. Nachdem wir allerdings dem zentralen Hochland immer näher kamen und viele Tamilen uns wärmstens empfahlen, den aufgrund seiner religiösen Bedeutung bekanntesten (wenn auch nicht höchsten) Berg des Landes mit 2.243 Meter zu besteigen, hatten wir uns dafür entschieden – wir wollten den besagten beeindruckenden Sonnenaufgang auf keinen Fall verpassen!

Wir kamen mit dem Bus in Hatton an. Weiter ging es mit dem Tuk-Tuk nach Dalhousie, wo wir eine Unterkunft gebucht hatten. Um 02:00 Uhr in der Nacht klingelte der Wecker, wir sprangen aus dem Bett und machten uns mit warmer Kleidung auf den Weg, denn es war ziemlich kalt und stockdunkel! Schon von Weitem erblickten wir die Lichter, die den Weg zum Gipfel weisen.

Sri Lanka Adams Peak bei Nacht

Uns erwartet eine steile Strecke von 7 km, auf der wir rund 1.000 Höhenmeter zurücklegen müssen. Über 5.000 steinerne Stufen führen nach oben. Die Treppe nimmt mit jeder Biegung eine neue Form an – mal sind die Stufen lang gezogen, mal flach – manche sind bis zu einem halben Meter hoch.

Um 02:30 Uhr waren wir am offiziellen Anfang des Pilgerpfades mit einem großen verzierten Torbogen und einem liegenden geschmückten Buddha. Wir wurden von einigen Mönchen begrüßt, die uns den Weg zeigten. Hunderte von Menschen sammelten sich hier und alle haben das gleiche Ziel: Vor Sonnenaufgang auf dem Gipfel sein und die 1,5 Meter lange Vertiefung sehen, die von Buddhisten als der Fußabdruck Buddhas verehrt wird. Sie gab dem Adam’s Peak seinen singhalesischen Namen Sri Pada, was auf Sanskrit ‚heiliger Fußabdruck‘ bedeutet.

ri Lanka Adams Peak liegender Buddha

Es ging also bergauf, dem Menschenstrom folgend. Der Pfad ist überwiegend gut ausgeleuchtet und ist mit vielen bunten Gebetsfahnen geschmückt. Wir passieren einige kleine Shops, die Wegproviant, Moskitospray und ayurverdisches Balsam verkaufen.

Der Weg wird immer steiler und aufgrund der unterschiedlichen Stufenhöhen ist es schwierig einen Rhythmus zu finden. Umso mehr erstaunte uns, dass Frauen mit kleinen Kindern auf dem Arm, viele alte und gebrechliche Menschen sowie magere Männer in weißen Gewändern, die barfuß unterwegs waren, den mühsamen Weg auf sich nehmen. Wenn man aber weiß, dass nach buddhistisch-sinhalesischem Glauben jeder gute Buddhist den Adam’s Peak mindestens einmal im Leben besteigen sollte und jeder weitere Aufstieg verspricht, ein Jahr länger zu leben, erklärt das natürlich warum sie diese Prozedur auf sich nehmen.

Uns imponierte die positive Stimmung während des Aufstiegs. “Schwächere” bekommen Hilfe geboten, wenn sie den Weg nicht schaffen. Einige größere Pilger-Gruppen sangen buddhistische Lieder. Immer wieder passierten wir auch Teebuden, an denen man rasten kann. Allerdings sollte man keine allzu langen Pausen einlegen, wenn man vor Sonnenaufgang oben sein möchte.

Stunden über Stunden vergingen… Die Oberschenkel schmerzten, die Stufen wurden immer steiler. Je höher wir kamen, desto kälter wurde es. Trotz erhitztem Körper aufgrund der Anstrengung haben wir dermaßen gefroren. Stufe für Stufe zwangen wir uns nach oben, doch sie schienen kein Ende zu nehmen!

Endlich eine Teebude… wir genossen eine letzte Tasse Tee und wechselten die durchgeschwitze Kleidung. Wir waren völlig ausgelaugt und nach der Pause erschien ein Weitergehen nahezu unmöglich. Wir hörten die Leute um uns reden, dass es noch 300 Stufen! bis zum Gipfel sind. Mit allerletzten Kräften zwangen wir uns weiterzugehen. Das letzte Stück war die Hölle – jeder Schritt, jede Stufe eine kräftezehrende Überwindung. Die Stufen waren nahezu senkrecht. Wir zogen uns am Eisengeländer nach oben. Es staute sich hier der Menschenstrom, denn auf den schmalen Treppen konnte nicht mehr überholt werden.

Es wurde immer stiller, da alle Pilger außer Puste waren.

Und dann endlich: WIR HATTEN ES GESCHAFFT! Nach drei Stunden waren wir angekommen; ZWEITAUSENDZWEIHUNDERTDREIUNDVIERZIG Meter über dem Meeresspiegel des Indischen Ozeans. Voller Erschöpfung ließen wir uns hinfallen und genossen den Blick in das beleuchtete Tal, denn es war nach wie vor dunkel. Es herrschte eine herrlich angenehme Stille. Über uns der Mond, die Sterne und die völlige Zufriedenheit oben angekommen zu sein.

Es windete auf dem Gipfel und es war eisig kalt! Nachdem sich alle an der Ostseite versammelten, wurde es sehr eng, aber die Körperwärme tat gut. Alle warteten auf den besagten Moment… und ganz plötzlich tauchte ein orangefarbener Lichtstreifen am schwarzen Nachthimmel auf. Nach und nach kam die atemberaubende Landschaft zum Vorschein. Es ist eine unglaublich schöne und ergreifene Stimmung. Jeder schaut gebannt in Richtung aufgehender Sonne. Ein Moment, den wir niemals vergessen werden.

Sri Lanka Adams Peak Sonnenaufgang Sri Lanka Adams Peak Sonnenaufgang1

Als die Sonne dann am Himmel stand, fingen die Buddhisten an zu beten. Die Männern in den weißen Gewändern brachten ihre Opfergaben zu dem winzigen Tempel, in dem der Sri Pada, der Fußabdruck Buddhas, versteckt ist. Alle Einheimischen versammelten sich um den Tempel, sie beteten und legten ihre Blumen nieder.

Mit blauen Lippen, Gänsehaut am ganzen Körper und zitternden Händen (zum einen aufgrund der Kälte und zum anderen weil wir so gefesselt waren), standen wir da und beobachteten diese spirituelle Atmosphäre. Wir nahmen alles auf und waren sprachlos von dieser Szenerie.

Ein Blick in das Tal: Sri Lanka, ein wünderschönes Paradies! Eine ganze Weile verweilten wir noch und genossen die Sonnenstrahlen. Endlich tauten unsere Glieder wieder auf. Eigentlich möchte man diesen spirituellen Ort nicht mehr verlassen. Die ersten Pilger machten sich bereits auf den Weg nach unten.

Sri Lanka Adams Peak Abstieg

Wir wollten uns noch den Fußabdruck Buddhas anschauen. Allerdings bekamen wir ihn nicht zu sehen, da er von einem goldenen Tuch bedeckt ist. Ein Meer aus Blumen lag außenherum. Eine Weile lauschten wir noch den Gebeten der übrig gebliebenen Pilgern, bis wir uns auch dazu entschlossen, die 5.000 Stufen wieder nach unten zu gehen.

Obwohl unsere Beine schwer wie Blei waren, machten wir uns auf den Weg. Schon nach wenigen Stufen hatten wir das Gefühl nicht mehr zu können. Der Abstieg war mindestens genauso anstrengend wie der Aufstieg! Hinzu kam jetzt, dass es immer wärmer wurde. Wir quälten uns Stufe für Stufe nach unten. Immer wieder kamen uns Männer mit schweren Säcken auf dem Kopf entgegen. Tag für Tag tragen sie die Waren für die Teebuden nach oben. Für uns eine unbegreifliche Leistung…

Endlich waren wir -total verschwitzt- wieder unten angekommen. Der Magen knurrte, die Beine waren müde und die totale Erschöpfung machte sich breit. Dennoch waren wir überglücklich und dankbar, dass unser Körper uns nicht im Stich ließ und wir den traumhaften Sonnenaufgang und den gigantischen Adam’s Peak erleben durften.

Sri Lanka Adams Peak Abstieg1

Wir blickten noch einmal zurück und können noch nicht wirklich begreifen, was wir in dieser Nacht erlebt haben.

Sri Lanka Adams Peak Stufen

Angekommen in unserer Unterkunft gönnten wir uns zunächst ein ausgiebiges Frühstück und eine lange Dusche, bevor wir schließlich aus totaler Erschöpfung ins Bett fielen. Wir spürten den Muskelkater noch Tage danach!

Aber keine Frage: Das Spektakel, das dich am Gipfel erwartet, ist jede Mühe wert! Ein fastastisches Erlebnis, das für immer unvergessen bleibt.

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